10. Juni 2026

"Das ist, was bleibt"
Cheftrainer Detlev Dammeier (2)

„Detlev, welche drei Wörter beschreiben deine acht Jahre beim DSC am besten?“

Detlev Dammeier: „Oha, lass mich mal noch ein paar Wörter dranhängen. Lange Zeit, Höhen und Tiefen, viele interessante Begegnungen.“

„Lange Zeit als erster Punkt. Hast du damals beim ersten Gespräch damit gerechnet, dass es acht Jahre beim DSC werden?“

Dammeier: „Nein, wir sind mit einem Zweijahresvertrag gestartet. Dass man im Sport über einen längeren Zeitraum denkt, ist ja eher nicht so.“

„Wie hast du den DSC im Jahr 2018 vorgefunden?“

Dammeier: „Der DSC steckte in einer schwierigen Situation und der Start war nicht einfach. Der Kader war personell dünn besetzt. Leistungsträger wie Lukas Cramer oder Patryk Plucinski, Marvin Frenz und  Marco Rüskaup waren angeschlagen, verletzt oder nicht fit. Dazu war die vorherige Saison eher mühsam verlaufen. Wir hatten Glück, dass die beiden Jugendspieler Lennard Rolf und Mattis Klomfaß sofort richtig gut funktioniert haben. Trotzdem gab es Phasen in der Saison, die auch eng hätten werden können. Wir haben damals zur richtigen Zeit unsere Spiele gewonnen und die Saison am Ende ruhig abschließen können.“

„Mit welcher Idee bist du gestartet?“

Dammeier: „Die Vita des DSC war mir bekannt. Ich war ja auch als U23-Trainer von Arminia Bielefeld schon als Gegner auf dem Laumeskamp und wusste, dass Potenzial da war. Daher wollte ich am Anfang viel trainieren, viel Input geben und am besten so schnell es geht oben mitspielen. Das war unter den genannten Bedingungen zu dem Zeitpunkt noch nicht drin.“

„Das heißt, du musstest dich sehr früh anpassen. Ist dir das bei deiner Vita leicht gefallen?“

Dammeier: „Zu sagen, dass das nicht ein bisschen gedauert hat, wäre gelogen. Den Fußball in der Liga und die anderen Teams kennenzulernen und einschätzen zu können, ist der eine Punkt. Die eigene Mannschaft zu verstehen, der andere. Fußball ist für alle wichtig, aber eben nur ein Nebenaspekt zu den Dingen, welche die Spieler sonst noch so tagsüber zu erledigen haben. Matthias Riemer war zum Beispiel Polizist und hatte Schichtdienste. Das kannte ich aus meiner Vergangenheit anders. Wir konnten zum Beispiel während der Saison keinen Urlaub machen (lacht).“

„Wann hast du trotzdem gemerkt, okay, hier ist mehr drin?“

Dammeier: „Die zweite Saison war schon deutlich stabiler. Wir haben sie besser abgeschlossen, als die erste Spielzeit. Die Corona-Pause hat natürlich einiges unterbrochen, aber am Ende hat der Weg dann doch zum Oberligaaufstieg geführt. Ich habe die Liga immer besser gekannt, die Spieler ebenso, sei es intern oder extern. Dazu ist es dem Verein immer wieder gelungen, richtig gute Nachwuchsspieler auszubilden, auf die wir zugreifen konnten. Linus Arenhövel, Christian Volmari, Damian Biniek, Rolf und Klomfaß hatte ich schon. In der aktuellen Saison sind Lukas Mehn und Godslove Anyanwu gute Beispiele. Es waren und sind immer gute Jungs dabei aus der eigenen Jugend. Wir mussten auch kreativ sein, weil die finanziellen Rahmenbedingungen Grenzen gesetzt haben. Die Entwicklungsschritte wurden trotzdem sichtbar.“

„Wie bitter war die Corona-Pause dazwischen?“

Dammeier: „Das war für alle bitter und eine sehr schwere Phase, wenn das Leben plötzlich still steht. Der Fußball rückt dann in den Hintergrund. Wir haben versucht, über Online-Training dabei und in Kontakt zu bleiben. Aber diese unsichere Phase war schon schwer für alle.“

„Es war also ein Neustart und dann der Aufstieg 2022. Was war das für eine Saison?“

Dammeier: „Wir sind auch in der Saison nicht von Beginn an durchmarschiert, sondern haben uns reingearbeitet. Ein Knackpunkt war sicher die Umstellung mit Kevin Holz. Er war als Spieler auf der Außenbahn vorgesehen, hatte da aber Tempoprobleme. In einem Spiel gegen Herford haben wir dann umgestellt und Kevin ins Zentrum gesetzt, was richtig gut funktioniert hat. Von da an wurden wir unangenehm zu bespielen und hatten einen Toptorjäger, der über 20 Tore geschossen hat. Das Selbstvertrauen war da. Wir haben die wichtigen Spiele gezogen und die Nerven behalten. Das haben wir richtig gut zu Ende gebracht. Nach den zwei Coronajahren hatte damit niemand gerechnet, weil niemand wusste, wo wir stehen. Der Aufstieg war ein absolutes Highlight.“

„Ihr wusste nicht, wo ihr steht, habt aber anscheinend das richtige System gefunden.“

Dammeier: „Es war damals unangenehm, gegen uns zu spielen. Wir sind aber nicht nur über die Zweikämpfe oder lange Bälle gekommen, sondern wollten auch Fußball spielen. Wir wussten, dass wir nicht alle rundspielen, aber Elemente haben, die für Gegner schwer zu knacken waren. Das haben wir immer weiter verfeinert.“

„Warum hat es dann in der Oberliga nicht für den Klassenerhalt gereicht?“

Dammeier: „Es hat uns in der Nachbetrachtung nicht viel gefehlt. Ein paar Prozentpunkte, aber die sind im Fußball entscheidend. Es ging damit los, dass wir den Etat aus der Westfalenliga beibehalten haben. Dann war die Liga sehr ausgeglichen. Wir sind mit 32 Punkten Letzter geworden. Diese Punktanzahl hat in den Jahren davor zum Klassenerhalt gereicht. Aktuell wäre man mit den Punkten nicht auf einem Abstiegsplatz. Wir haben damals tolle Spiele abgeliefert, gegen Gütersloh zum Auftakt. Gegen die zweite Mannschaft des SC Paderborn 07, die einen Kai Klefisch, der nach Verletzung zurückkam, brauchten, um uns zu schlagen. Das war sehr schade. Andererseits war immer die Frage, hätten wir das über Jahre unter den Bedingungen halten können, weil die Intensität immer am Limit sein musste. Der Aufwand war sehr hoch, mit zig Fahrten in Richtung Sauerland. Dazu waren wir ja auch im Westfalenpokal sehr erfolgreich und sind bis zum Halbfinale gekommen. In den Runden davor haben wir gegen den Drittligisten Verl und den Viertligisten Kaan-Marienborn gewonnen. Das waren tolle Erlebnisse, die uns so oder so keiner nimmt. Am Ende waren es überall ein paar Prozent, die gefehlt haben. Organisation, Infrastruktur, Trainingsplätze, ein zwei weitere externe Spieler, Verletzungen von Leistungsträgern wie Niklas Huschen und Daryoush Hosseini. Schade, aber ja, daran sieht man, wie hoch der Aufwand ist und wie viel Kraft das kostet.“

„Du hast die Bedingungen immer akzeptiert. Sagst du heute, ich hätte an der einen oder anderen Stelle auch mal mehr dazwischengehen müssen?“

Dammeier: „Am Ende ist man in vielen Dingen schlauer. Natürlich gab es aus heutiger Sicht Entscheidungen, die man anders hätte fällen können. Vielleicht hätte ich in manchen Dingen auch mehr darauf pochen müssen. Letztendlich ging es mir aber nie darum, mich mit möglichst vielen Leuten anzulegen. Wir haben immer versucht, einen gemeinsamen Weg und Konsens zu finden, weil ich glaube, dass das am Ende effektiver ist. Als Verein mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten sollte das auch der Weg sein, denke ich. Nach der Oberliga haben wir noch eine ordentliche Westfalenligasaison gespielt und sind Vierter geworden. Das ist nach einem Abstieg nicht gewöhnlich. Danach brach die Phase an, in der klar war, dass die Infrastruktur nachwachsen muss, weil der DSC insgesamt immer größer wurde und Kapazitäten brauchte. Das neue Vereinsheim ist eine super Geschichte für den Verein und bietet durch den Kraftraum auch für das Training der Jugend- und Seniorenspieler neue Möglichkeiten. Natürlich hatte das finanzielle Auswirkung auf die Zusammenstellung des Kaders und somit auch einen Teil zum Abstieg in die Landesliga beigetragen. Zwei Spieler, die wir hätten gebrauchen können, habe ich nicht durchgesetzt. Dann brachen noch Leistungsträger wie Hasan Dere oder Krystian Rogala weg und der zugesagte Wechsel von Biniek im Winter klappt doch nicht. So kam eines zum anderen. Mir war sehr früh klar, dass die Saison äußerst schwierig wird. Trotzdem war es infrastrukturell für den DSC auf lange Sicht der richtige Schritt, das Vereinsheim zu bauen.“

„Würdest du aus heutiger Sicht sagen, nach der Oberliga oder spätestens nach dem dann guten Jahr Westfalenliga wäre ein Ende beim DSC sinnvoller gewesen?“

Dammeier: „Dafür bin ich nicht der Typ. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht. Aber ich habe schon in meiner Profizeit nicht oft den Verein gewechselt, wenn ich mich wohl gefühlt habe. In 20 Jahren als Spieler war ich nur bei vier Vereinen. Die Westfalenliga ist für den DSC, vielleicht dann auch mal der Sprung in die Oberliga, ein Niveau, das zu Delbrück passt. Auch mit dem Etat. Nur weil es schwierig ist, gehe ich nicht weg. Es gab andere Möglichkeiten zwischendurch, ich habe es aber nicht gemacht und bin geblieben. Mit Blick auf das Ende jetzt, ist man auch da nachher immer schlauer. Aber gut, die Situation ist so, wie sie ist. Ich hätte es mir anders gewünscht, aber die Entscheidungen sind getroffen.“

„Daraus spricht schon der Ehrgeiz, dass du das Team gerne zurück in die Westfalenliga geführt hättest.“

Dammeier: „Das wäre sicher auch möglich gewesen. Wir haben in der Rückrunde nur noch ein Spiel verloren, konnten gegen alle Teams von oben bestehen oder sogar gewinnen. Der Anpassungsprozess in der Hinrunde hat eine bessere Ausgangslage leider verhindert. Auch das ist jetzt so.“

„Du hast einige junge Spieler entwickelt. Wie viel Spaß hat dir das gemacht?“

Dammeier: „Die Arbeit mit jungen Spielern und ihre Entwicklung zu sehen, macht mir sehr viel Spaß. Besonders, wenn die Jungs lernen wollen und mitziehen. Ich sitze immer noch gerne mit ihnen in der Kabine und tausche mich über Fußball aus, versuche ihnen Erfahrungen mitzugeben. Es ist mir aber auch wichtig, die Gesamtentwicklung eines Teams voranzutreiben. Wir sind 2018 als Mannschaft gestartet, die über lange Bälle und Kampf kam. Ein Team, das auch die Rasenbedingungen im Stadion Laumeskamp gebraucht hat. Daniel Austenfeld hat das als cleverer Spieler vorgelebt. Mittlerweile ist das Team soweit, dass es auf Kunstrasen richtig gute Spiele hinlegt und einen Gegner auseinander nehmen kann. Da hat eine große Entwicklung stattgefunden.“

„Welchen Rat hast du an junge Spieler?“

Dammeier: „Sie sollen ausprobieren, wie weit sie kommen. Am Ende sind Talent, Fleiß und Umsetzung entscheidend. Es geht auch darum, wie schnell Spieler aus Fehlern lernen. Godslove Anyanwu arbeitet unheimlich viel und ist lernbereit. Er macht jetzt den Sprung zu Arminia Bielefeld II in die Oberliga. Ich traue ihm das absolut zu, weil er neben sportlichen Dingen auch den Ehrgeiz mitbringt. Er kann mal ab vierte Liga aufwärts landen. Generell ist der Sprung aus dem Junioren- in den Seniorenbereich schwierig. Da hängt es davon ab, was die Spieler bereit sind, zu investieren.“

Detlev Dammeier, Heinz Austerschmidt und re. Roger Schmidt - SC Delbrück vs. PSV Eindhoven - Saison 2022/2022 - Foto: Wilfried Hiegemann

„Wie wichtig war in all den Jahren Heinz Austerschmidt.“

Dammeier: „Heinz war als Person sicher ein Unikat. Er ist gerne mal in der Kabine aufgetaucht und hatte einen guten Draht zu dem Team. Heinz hat den DSC gelebt. Ich kann gar nicht sagen, wie oft wir im Jahr telefoniert haben (lacht). Das hat mir viel Spaß gemacht. Ich kann mich noch gut an mein Vorstellungsgespräch erinnern, als ich mit Elmar Westermeyer zu ihm in die Firma gefahren bin, um mich zu zeigen. Heinz hat immer alles für den Verein gegeben. Das hat geholfen.“

„Wie sehen deine Planungen für die Zukunft aus?“

Dammeier: „Es ist alles möglich. Ich bin da relativ offen. Aktuell ist nichts in trockenen Tüchern. Vorstellbar ist eine Pause, aber auch bei einer interessanten Anfrage ein neues Engagement. Ich habe als sportlicher Leiter, im Scouting oder eben als Trainer eine gute Vita und jede Menge Know How. Acht Jahre werden es dann wahrscheinlich nicht wieder. Aber ich bin offen und lasse die Dinge auf mich zukommen.“

„Wirst du den DSC weiter verfolgen?“

Dammeier: „Natürlich. Das ist doch klar. Ich werde nach etwas Abstand sicher auch mal wieder auf dem Laumeskamp vorbeischauen. Das Ende hätte ich mir anders gewünscht, aber ich werde die Zeit beim DSC als sehr positiv in Erinnerung behalten. Die Zusammenarbeit, besonders mit Frank und Elmar aus dem Vorstand, war sehr eng und freundschaftlich. Des Weiteren hat mir die Arbeit mit den Spielern, mit Carsten Johanning, Jürgen Fortmeier oder jetzt Jeffrey Addai als Co-Trainer und den vielen engagierten Leuten, die im Trainer- und Betreuerstab dabei waren oder sind sowie den ganzen ehrenamtlichen Helfern drumherum, immer sehr viel Spaß gemacht. Es waren tolle Begegnungen. Das ist das, was bleibt.“